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Gaumenreise, Sternensammler

Weissenhaus

Eine herrlichere und unkompliziertere Auszeit als auf Weissenhaus kann ich mir gar nicht vorstellen. 1 ½ Stunden von Hamburg gelegen, fühlt sich das wunderschöne Schlossgut direkt an der Ostsee weiter als von dem 130 km entfernten Alltag an.

Fast wie ein eigenes Dorf mutet sich das 75 Hektar große Gelände an, in dem wir in einem der 40 historischen Gebäuden, dem backsteinernen Gärtnerhäuschen nächtigen, mit unter anderem einer urigen Koje für unsere Kinder, den Regen plätschernd auf den Dorfteich lauschend.

Auch kulinarisch ist dieser Ort jede Reise wert, hat sich Christian Scharrer in dem, im Schloss selbst gelegenen, COURTIER zwei Michelin-Sterne erkocht, wie wir am ersten Abend erleben dürfen. Zuvor begeistert mich noch, die von mir vormals kritisierte Bento Box als In-Room-Dining, von deren kindlicher Version und vor allem dem Schinken-Käse-Sandwich ich vor unserem Restaurantbesuch nicht lassen kann.

Im COURTIER, genauer dem mintfarbenen Gartensaal genießen wir 5-Gänge, die sogenannte „Kleine Rundfahrt“, die alles andere als klein ist.

„Weil Herr Scharrer so gern grüßt“, dürfen wir mit selbstgemachten Grissini in dekorativem Hafer und 5 weiteren Kleinigkeiten beginnen: Grüner Reis mit Mango, Marone auf Zwiebelwaffel und Haselnuss-Mayonnaise, Knusperkissen mit Algencreme, Frankfurter grüne Soße und Steinpilz-Aprikosen-Arancini, die Vorfreude auf das versiegelte Menü wecken. Ebenso ein weiterer Gruß, ein Cesaren-Salat, nur entfernt mit dem ordinären Caesar-Salad verwandt, da mit Makrele, Essiggranitée und Parmesanschaum um ein Vielfältiges feiner und raffinierter.

Wie zum Beweis der selektiven Wahrnehmung treffe ich zum zweiten Mal in diesem Monat auf das hochgeschätzte Brot von Arnd Erbel, diesmal ein Oliven-Honoratiuslaib mit Dreierlei Butter, gesalzen, Sauerrahm und mit Olivenöl, und auch hier kann ich den Hype um den Freibäcker verstehen. Alles im Übrigen mit Kresse zum Selbstschneiden, was wir schon längst für unsere eigenen Dinner eingeführt haben.

Wunderhübsch pointiert und ebenso fein komponiert, beginnt unser Menü mit einer Gänseleberterrine sowie –Crémeux mit fruchtiger Birne, Walnuss und Schokolade. Gefolgt von einem Hummer im Ganzen und als gekochtes Tatar mit Orangenblütenschaum, Karotte und Kreuzkümmel, sowie mir Weinlaien näher bringende geteilte Weinreise mit dem Spruch „Krustentier und Riesling sind Freunde fürs Leben“.

Der knusprig gebratene Loup de Mer in Zwiebelfond und Graupen bindet verschiedenste Zwiebelarten sowie ein Muskat-Blüten-Schaum harmonisch um sich.

Statt Étouffée Taube wählen wir das LUMA Beef, benannt nach Lucas und Marco, die das Rind am Knochen mit Edelschimmel reifen lassen, süßlich verfeinert mit allerlei Mais und Rotwein-Sauce.

Eine gelungene Dessert Einstimmung mit persönlicher Verabschiedung von Herrn Scharrer, bietet die Kaffee Sphäre aus Kaffee-Mousse, Milchschaum und getrockneter Milchhaut wie auch das Vordessert aus Schokolade und Feige. Zimtblüten-Mango-Sud und Sorbet vereinen sich letztlich hervorragend mit Maronen Vermicelle, Kokosnuss-Schaum und –Panna Cotta und Schokoladenmousse mit Ahornsirup.

Was für ein Luxus, all dies fußläufig von Bett und Kindern zu haben. Denn auch mit Kindern ist Weissenhaus zumindest entspannter als zu Haus. Von 12-16 Uhr dürfen die Kleinen auch das Schwimmbad nutzen, was wir in der Zeitspanne sogar zweimal schaffen, während ich eine dringend nötige, Kraft tankende Pediküre genieße. In der Zwischenzeit lockt das liebevoll eingerichtete Kükenhaus, mit oder ohne Betreuung, zum Basteln oder im Garten spielend und die kurzen Fahrten mit dem Golfcar zaubern ebenfalls ein Lächeln auf ihre Kindergesichter.

Mittags ist das am Strand liegende BOOTSHAUS sehr zu empfehlen, bin ich doch vom Galloway Rind Carpaccio mit Kräutercreme, Steinchampignons und Rauke sowie von dem Ostseelachs auf Kartoffelschmelze mit gerösteten Nüssen, Kartoffelstroh und Tomatennage sehr angetan. Abends essen wir dann noch zu viert in der für mich bisher unbekannten ASIA BAR 1896 im Schlossgewölbe, vorbestelltes Schnitzel für die Kinder, Sushi für uns.

Ob tagsüber durch die Wiesen wandernd, vorbei an verwunschenen Brunnen, Apfelbäumen, riesigen Schachspielen, um den See herum oder wunderschön beleuchtet im Dunkeln und zur Weihnachtszeit, einfach unbeschreiblich bezaubernd und zu jeder Zeit eine Reise wert.

https://www.weissenhaus.de

November 17, 2018
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Hi, ich bin Franzi, und gehe leidenschaftlich gerne essen, überall auf der Welt, aber vor allem in Hamburg. Nicht nur das Geschmackliche muss mich begeistern, auch die Atmosphäre sollte stimmen, da ich am liebsten alles noch fotografisch festhalte. Hier findet Ihr meine liebsten Restaurants.
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Kein Lichtschein dringt von der „drip BAR“ nach außen, so dass wir tatsächlich erst einmal vorbeilaufen, bis wir den Klingelknopf finden. Welch' überraschende Freude schenkt die dunkle Gemütlichkeit, Bilder an grün-bläulicher Wand, geblümte Sessel und einen kreisender Ventilator über unseren Köpfen. Auch der Erläuterung des spannenden Konzepts lausche ich gerne, obwohl einer von uns gerügt wird, weil er voreilig in die märchenhafte Getränkekarte schauen möchte. 8 Stunden bis 3 Tage tropft die jeweilige Spirituose, ähnlich der Cold Brew Methode, durch verschiedene Infusions, z.B. Pfefferminz, Grapefruit, Kardamom, so dass die Getränke ganz eigenwillige, fein abgestimmte Geschmacksnuancen bekommen. Köstlichst der Lavendel Ton bei namensgleichem Mule, bestehend aus Wodka durch Lavendel getropft, Ginger Beet, Teapot Bitter und Limette. Ungleich stärker, nichtsdestotrotz genauso fein der Saffron Martini mit Wodka durch Safran gedript, Vermouth, Haselnuss Liquor und zartem Haselnuss Rand am Glas. Eine entzückende kleine Bar, in die wir sicherlich öfter wiederkehren werden.
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Mein letzter Restaurantbesuch
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27. April 2018
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