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Gaumenreise

Südtirol

Ganz und gar bezaubernd waren unsere zwei Wochen in Italien in den Sommerferien, allen voran unser Beginn im schönen Südtirol. Genauer in dem liebevoll privat geführten Hotel Miramonti, in dem mir schon optisch alles gefiel. Mitten in den bewaldeten Berg gebaut, mit viel Holz, Beton und anderen Naturmaterialien wird vor allem Ruhe ausgestrahlt. Auch deshalb, weil nur beschränkt Kinder erlaubt sind, und wir oft zu „leise, leise“ unsere ermahnen.

Eine Brücke führt direkt weiter in den Wald, ein Whirlpool zwischen den Bäumen, verschiedene Saunen und ein Infinity Pool mit Blick auf Kirche und Meran. Zu schön die Aussicht auch bei Frühstück oder Abendessen auf der Sonnenterrasse oder wenn bei einem plötzlichen Gewitter eine Wolke hochzieht und das gesamte Hotel umschließt. Natur pur. Am liebsten hätte ich alles mitgenommen und wünsche mir jetzt auch den Blumentopf mit Rosmarin für unserem Balkontisch, die gelbe Decke, falls es kalt wird, die Chemex Filter Karaffe und die handgemachten Steinteller. Nur das Urlaubsgefühl werde ich von dort nicht komplett mitnehmen können. Direkt neben dem Hotel befindet sich der Sulfner Reitstall, der Ausritte auf den nach dem Ort benannten Haflingern anbietet, Berg auf, Berg ab oder wäldliche Kutschfahrten.

Gleich am ersten Abend fordern wir unsere Kinder mit einem fremden Babysitter und zum Glück ist es das schlechte Gewissen wert.

In der mit 2 Michelin-Sternen ausgezeichneten Trenkerstube sitzen wir nach 20 Minuten Fahrt draußen mit Sicht auf die Weinberge und das Castel, nach dem auch das Hotel benannt ist. Wir werden herzlich begrüßt, mit personalisierter Menükarte, auch für meine Lieblingsbegleitung, obwohl ich reserviert habe und ein roher Dinkel-Vollkorn Laib wird uns präsentiert, der jetzt für uns frisch gebacken wird.

Weiterhin erfreuen sechs kleine Apérohäppchen, die alle für sich stehend schon hervorragend sind. Auf einem Weinast ruhen ein Hauch von einem Polenta Chip mit Sauerrahm, Räucheraal und Gurke sowie ein zum wohligen Seufzen anregender Nusscracker mit feiner Entenstopfleber und Cassiscrème. Dazu ein Röllchen gefüllt mit Alpenkäse und Trüffelmayonnaise sowie ein Tatar vom Rind in einem Cornetto mit Tomate und Schalotte und zuletzt Kartoffelstroh mit Sardellencrème und Kapernpulver. Und auch Schuttbrot und Grissini dürfen nicht fehlen.

Zweigeteilt zeigt sich das herrlich erfrischende Amuse-Bouche als ein handgeschnittenes Thunfisch-Carpaccio mit Passionsfrucht- und Avocadocrème, Kiwi und Kiwisauce, daneben und den Geschmack verstärkend das Yuzu-Sorbet, Olivenöl und Kiwi. Genauso begeistert der erste Gang unseres Menüs, eine Langustine auf einem Salzstein flambiert mit gelber und grüner Zucchini, gerösteten Pesto, Topfenravioli und Krustentierschaum. Als bezaubernde Begleitung der Tanz der Rasensprenger, Vogelgezwitscher, das Zirpsen der Grillen und schneebedeckte Berge, an denen der Mond zu wandern scheint.

Das vorherig roh gezeigte Kartoffel-Oliven-Brot kommt nun frisch aus dem Ofen mit einer köstlichen Karottencrème mit Sesam, Bauernbutter von der Kuh und von der Ziege und Ultentaler Speck und Salami.

Ebenso beeindruckend erreicht die geräucherte Wildlachs-Forelle unter einer Glocke räuchernd unseren Tisch, hier mit Lauchcrème und -tartar, Zitronencrème und -würfel, Kapern-Espuma und Paprikacrème. Jede der einzelnen Komponenten des Gerichts tritt deutlich hervor, um sich harmonisch zu vereinen. Der darauffolgende Steinbutt ruht auf Auberginentartar, -püree, Thymian Ofentomaten und wird bedeckt von frittierten Auberginen und rotem Pfeffer. Ein kräftiger, gut eingefangener Kontrast, der nach Ratatouille und Sonne schmeckt.

Schon mir bekannt ist der LUMA Kalbsrücken, zwei Wochen in Edelschimmel gereift mit Karotten- und Zwiebel-Sellerie-Crème, Pfifferlingen und geräucherten Knochenmark. Im Knochen liegend das Ossobucco mit Gremolata-Öl und Zitronen-Crouton.

Mit frischer Serviette grüßt das erste Mal äußerst kreativ die Patisserie mit einer Champagnerkorken gleichen Joghurtcrème, essbaren Blattsilber, weißer Schokolade und frischer Minze, aufgegossen mit Holundersaft und auch eine Pfirsich-Bergamotte-Crème klebt wie Zauberei an der Unterseite einer Schale. Mein Grießmousse vervollständigt sich mit Bienenhonigcrème, Grieß-Chip, Himbeersphäre, -gelee und frischen Himbeeren, und wir reichen unsere Löffel zwischen den unterschiedlichen Desserts schwärmend hin und her.

Fünf kleine Pralinés machen den schweren Abschied leichter in Form eines Schwarzwälder Kirsch Törtchen, einer Mürbeteigschnitte mit Passionsfrucht und Safrangelee, eines Apfelkuchengefühl dank einer Apfelmürbeteig Crostata mit Calvadoscrème, eines Koriander-Knusper-Praline und einer Bitter Schokolade mit Original Beans Beni Wild Harvest Kakao.

Mit dem Gefühl den besten Abend schon am ersten Abend erfahren zu haben, ein reizendes Kennenlernen des grandiosen Koches Gerhard Wieser und einem Brot und Marmelade fahren wir beseelt Richtung Bett mit dem Plan nach Neueröffnung der Trenkerstube in die vorderen Räumlichkeiten des Hotels Castel auf jeden Fall für den regional-alpin-mediterranen Ansatz wiederzukommen.

Sehr familiär wirkt am nächsten Tag mittags das Restaurant miil im grün bewachsenem Garten dank hinter Hühnern herlaufenden Kindern und großer Familientafeln, so dass auch wir uns zu viert entspannen können.

Ein rundes Brot im Heu, Speck und Meerrettichcrème beschäftigen uns bis zu meiner Vorspeise, Tortelli mit Ossobuccofülle, Safranfond und Schmorkarotte. Das Entrocôte wirkt gut bäuerlich mit Kartoffeln, frischen Steinpilzen und Rosmarin, nur die schwarzen Trüffel erinnern an den einen Michelin-Stern, der vielleicht nur am Abend glänzt.

Direkt nebenan befindet sich der in sich ruhende Kränzelhof umgeben von Weinbergen und sieben verschieden angelegten Gärten, auch einen Besuch wert.

November 5, 2019
Über mich
Hi, ich bin Franzi, und gehe leidenschaftlich und viel essen, überall auf der Welt, aber vor allem in meiner Heimatstadt Hamburg. Nicht nur die Küche ist mir wichtig, das große Ganze zählt mit Atmosphäre, Service und am liebsten außergewöhnlichen, berichtenswerten Erlebnissen. Hier findet Ihr meine liebsten Restaurants.
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Trendspotter
Restaurant Klinker
Seit dem ersten Pop-up in der ehemaligen Cook Up Gallery vor 1 ½ Jahren verfolge ich die Entwicklung der damals Tabula Rasa genannten Köche. Nun haben sich endlich Marianus von Hörsten kochend und Aaron Hasenpusch an der Bar mit ihrem ersten Restaurant namens Klinker, direkt neben dem Holi Kino niedergelassen. Tafelgrüne Wände, goldene Akzente und mit vielen Produkten von Marianus‘ Elternhof Wörme und einem engen Verhältnis zu Lieferanten stehen Herkunft und Qualität der Produkte an erster Stelle. Schon damals nach dem Credo „Glück ist zum Teilen da“ bestellen wir gemeinschaftlich. Abwechslungs- und facettenreich überrascht jedes Gericht, mit erfreulich eindeutigen Aromen, dem Credo „einfach miteinander essen“ sehr viel mehr als gerecht werdend.
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