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Gaumenreise

Lanserhof

Was für ein Erlebnis!

Sieben Tage im Lanserhof am Tegernsee: Allein, ohne Handy, Detoxen mit Bittersalz und ohne die mehrgängigen Abendessen, an die ich mich schon so gewöhnt habe. Jetzt heißt es „Schonung, Säuberung, Schulung, Substitution, Sport und Seele“ nach F.X. Mayr.

Länger schon spielte ich mit dem Gedanken, zur Ruhe zu kommen und mich von eingefahrenen Angewohnheiten, unter anderem übermäßiger Handynutzung zu befreien. So buche ich sehr spontan eine Woche auf dem Lanserhof, mehrfach empfohlen und eine Woche, da dies die minimale Verweildauer umfasst. Immer mit inbegriffen ein Basisprogramm, welches schon viele Anwendungen beinhaltet, die ich sowieso gerne probieren möchte.

Mit neu entdeckter Aufmerksamkeit, weil ohne Handy, fahre ich Kinder vermissend und doch vorfreudig zum Flughafen, um nach München zu fliegen. Nach etwas über eine Stunde Flug und Fahrt erreiche ich das ansprechende Gelände auf einem Golfplatz erbaut, quadratisch einem Kloster nachempfunden. Wunderschön, gradlinig modern und dank Naturmaterialien wie sich oft wiederholenden Holzlamellen, Lederbezügen und hellen Betonwänden, willkommen heißend und warm.

Sogleich präsentieren sich die Tage voller Termine, das Entgiften und Entsäuern unterstützend. Von Bioimpedanzmessung- aus wieviel Fett, Wasser und Muskeln besteht mein Körper- Algenpackungen und Ölbädern über Heilmassagen, Detox Drainagen mit Saugnäpfen bis hin zu selbst Gewählten wie einer energiespendenden Craniosakraltherapie zum Beispiel. Den für viele Gäste Ausschlag gebenden Faktor der kompletten medizinischen Betreuung durch hervorragende Ärzte nehme ich kaum wahr, ausgenommen die ärztliche Untersuchung meiner für mich zuständigen Ärztin. Überaus reizend ist sie ebenfalls für die manuelle Bauchbehandlung zuständig, an die ich mich durchaus gewöhnen kann, obwohl ich sonst kein Bauchmassagen-Fan bin.

Zusätzlich zu den medizinischen Anwendungen kann jeder Gast aus einem großen täglichen Gruppenangebot auswählen. Ich besuche Yoga mit Blick in die Schneelandschaft, noch anstrengenderes Pilates, Rücken- und Faszientraining sowie mein erstes Mal Nordic Walking, von dem ich tatsächlich am nächsten Tag Muskelkater bekomme.

Natürlich habe ich an beiden, der mich begeisternden Kochkursen teilgenommen, und schon jetzt mehrfach nachgekocht, so schnell und trotzdem gesund wird erklärt. Denn probiert habe ich schweren Herzens vor Ort nicht. Ebenso enthusiastisch durfte ich einem Backkurs beiwohnen. Zwar komplexer in der heimatlichen Durchführung, doch bin ich auch hier noch immer motiviert.

Zu den regelmäßigen Essenszeiten, immer mindestens vier Stunden voneinander entzerrt, werde ich an einem Sechser Tisch platziert, aufgereiht davor die jeweiligen Medikamente. Zuerst zögerlich und unbekannt, morgens und mittags Schafsjoghurt mit dem sogenannten Kautrainer zu mir nehmend – der Kautrainer ist im Übrigen ein Buchweizen-Toast. (Es hat etwas gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass ich den krossen Dinkelfladen dem Buchweizen-Toast vorziehe.)

Abends Gemüsebrühe mit dem Teelöffel schlürfend, nähern wir Tischnachbarn uns nach und nach an. Da wir durch eine ähnliche Prozedur gehen, wird offen über Medizinisches gesprochen, wenn man bei dem intensiven Kauen, nämlich 40-Mal, zu Wort kommt. Bei welcher Kur-Stufe hat der Gegenüber angefangen, was hat ihn hierher geführt, wieviel Kilo schon abgenommen und was macht man im normalen Alltag alles gehetzt und verkehrt.

Viele der internationalen Gäste kommen extra von weit her. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass auch Cara Delevingne mit Schwestern oder Uma Thurman gerne hier entschlacken.

Überall stehen sogenannte Tee-Bars, eines meiner liebsten Gadgets des Lanserhofs. Bis zu 7 Tees und diese ständig wechselnd ziehen in der Küche selbst, so dass man sich einfach per Hebel an Ingwer-, Melisse-, Rosmarin-, Thymian-, Brennnessel- oder Lavendeltee bedienen kann, immer mit der Wirkung beschrieben und auch die Bibliothek begeistert mich nicht nur optisch.

Sehr vermissen tue ich meine allabendliche Routine: In dem traumhaften warmen Pool draußen zu schwimmen, von bezaubernder Beleuchtung umringt, warm und geborgen trotz Regentropfen von oben. Anschließend habe ich ganz allein das Sanarium genossen. Eine Sauna ganz nach meinem Geschmack, nur auf 60 Grad erhitzt und Minze und Menthol inhalierend. Den Geruch konnte man schon vorfreudig aus dem Fahrstuhl heraus riechen.

Entspannt habe ich mich dann in mein schönes Zimmer zurückgezogen, um zu lesen, passender Weise von Hans Castorp auf seinem Zauberberg oder fernzusehen, was ich sonst wirklich nie mache, früh schlafen und per Knopfdruck „Strom off“.

Der Lanserhof ist ohne Frage eine Welt für sich, in die man sich allzu gerne nach ein paar Tagen einfügt. Nach einer Woche fühle ich mich schon so vertraut und eingeweiht, dass ich nur zustimmen kann, wenn es heißt, 10 Tage sollten Minimum sein.

Zurück in Hamburg habe ich das Programm noch weitere drei Tage verfolgt, immer noch mein 2-Kilo geringeres Gewicht gehalten und trinke abends nur Tee, wenn wir nicht gerade ausgehen. Stolz auf meine Verlängerung habe ich daraufhin erfahren, dass manch’ anderer eher drei Wochen an dem Konzept von F.X. Mayr festhält.

Nächstes Mal, vielleicht dann schon auf Sylt 2020!

https://www.lanserhof.com

Januar 9, 2019
  • 2
2 Comments
  • Christa Wünning
    Januar 13, 2019

    Hallo Franzi,

    wunderbar beschrieben hast Du das Erlebnis „Lanserhof“ mit den traumhaften Fotos! Ich kann alles nur bestätigen, was Du geschrieben hast ! Und ich war glücklich, dass ich 14 Tage dort verbringen konnte. Mit allmorgendlichem „Aktivem Erwachen im Wald“ von 7 bis 8 Uhr
    begann der Tag in einer relativ kleinen Gruppe von 8 – 10 Personen unter Anleitung eines Sporttherapeuten.
    Du warst eine wunderbare Tischnachbarin an unserem sehr angenehmen 6-er Tisch!
    Vielleicht das nächste Mal auf Sylt !
    Christa

    • Franzi141281
      Januar 14, 2019

      Liebe Christa,

      es war mir eine große Freude, mit Euch den Tisch zu teilen. Bewundernswert Dein allmorgendliches Erwachen in der Schneelandschaft.

      Dir alles Liebe und sehr gerne bald auf Sylt,
      Franzi

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Über mich
Hi, ich bin Franzi, und gehe leidenschaftlich und viel essen, überall auf der Welt, aber vor allem in meiner Heimatstadt Hamburg. Nicht nur die Küche ist mir wichtig, das große Ganze zählt mit Atmosphäre, Service und am liebsten außergewöhnlichen, berichtenswerten Erlebnissen. Hier findet Ihr meine liebsten Restaurants.
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Restaurant Klinker
Seit dem ersten Pop-up in der ehemaligen Cook Up Gallery vor 1 ½ Jahren verfolge ich die Entwicklung der damals Tabula Rasa genannten Köche. Nun haben sich endlich Marianus von Hörsten kochend und Aaron Hasenpusch an der Bar mit ihrem ersten Restaurant namens Klinker, direkt neben dem Holi Kino niedergelassen. Tafelgrüne Wände, goldene Akzente und mit vielen Produkten von Marianus‘ Elternhof Wörme und einem engen Verhältnis zu Lieferanten stehen Herkunft und Qualität der Produkte an erster Stelle. Schon damals nach dem Credo „Glück ist zum Teilen da“ bestellen wir gemeinschaftlich. Abwechslungs- und facettenreich überrascht jedes Gericht, mit erfreulich eindeutigen Aromen, dem Credo „einfach miteinander essen“ sehr viel mehr als gerecht werdend.
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