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Gaumenreise

Dinner mit Kopfkissen

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Was für eine herrliche Aussicht, in einer knappen Stunde von Hamburg zu einem sogenannten „Dinner mit Kopfkissen“ ins wunderschöne Strandhotel Fontana nach Timmendorf zu fahren. Ein in weiß gehaltenes Haus im Ostseenahen Bäderstil mit ansprechenden optischen Akzenten, wie den schwarzen Treppen und dem Blumengefüllten Brunnen.

Liebevoll und persönlich geführt von dem jungen Ehepaar Hamester werde ich ebenso herzlich begrüßt und auf mein Zimmer mit Strandblick und einem ersten Vorgeschmack von köstlichen Lebkuchen-Zimt Pralinen von Marco d’Andrea gebracht.

Noch vor dem Essen nutze ich das von mir längst sehr geschätzte 60° Grad Sanarium, um mich überaus entspannt und selig in das Restaurant Horizont zu begeben, welches am 9. März übrigens Zweijähriges feiert.

Mit namentlich passenden horizontalen Details auf Stühlen und Wand wird jenes von Sebastian Hamester selbst bekocht, während seine Frau Julia das Hotel führt. Nach dem BWL-Studium und ersten Schritten in Richtung Versicherungsmakler erwachte in ihm, nach einem schweren Autounfall, verstärkt der Wunsch in Richtung Koch. Stationen bei Karlheinz Hauser auf dem Süllberg, im Budersand Hotel bei Jens Rittmeyer oder die 3-monatige Lehrzeit bei Toshi Sugiura in Kalifornien, erklären die feine Küche. Und so freue ich mich auf meine erste Auszeit in diesem Jahr und die volle Konzentration auf Menü und Abend, welcher schon wohlig mit einem heißen Tuch für meine Hände beginnt.

Sauerteigbrot, aufgeschäumte Butter und Meersalz begleiten die vier kleinen Snacks vorweg, auf Steinen und Muscheln der Umgebung drapiert. Ein erfrischender Gurken-Limetten-Gin, ein Tapioka-Chip mit Roter Beete, Tartar, Chili Mayonnaise und roter Shiso Kresse, ein Hauch von einem Rote Beete Macaron gefüllt mit Meerrettich-Creme sowie ein Kräuterchip mit Koriander, Buttermilch-Creme, Quinoa Kresse und Sashimi von der Goldforelle. Jeder für sich so zart abgestimmt, dass ich mir gleich noch mehr davon wünsche.

Saisonal beginne ich mit einem im Salzteig gebackenen Sellerie, belegt mit schwarzem Trüffel, Sellerie-Püree, Petersiliensalat und Pilzsud, welches den erdigen natürlichen Geschmack stimmig hervorhebt. Um auch die von Steffen Henssler oft erwähnte Sushi Academy zu erleben, probiere ich die Abwechslung bietende Rainbow Sushi Roll, die von gebackener Garnele mit Gurke und Avocado über Lachs und Thunfisch bis hin zu einem Hamachi Kiemenstück mit Miso Zabaglione und Teriyaki Sauce alles vereint. Saftig und doch fest begeistert mich jede einzelne Sushi Rolle, und mich begleitet ein Sake namens Himmelswind.

Land und Meer vereint die darauffolgende geröstete Lotte mit Blumenkohlpüree, lila Blumenkohlcrumble, Rosen-Grünkohl, Seekuhgras und Hondashi. Eine zarte und kräftig geschmackvolle Challans Entenbrust wird von einer Kürbiscreme, Tempura-Shiitake, Kimchi umhüllt von Butternut-Kürbis und einem Curry-Entensud begleitet und balanciert sehr gut süß und sauer.

Das „Das Beet“ getaufte Dessert wird von dem mittigen Rote Beete- und weißem Schokoladen-Mousse dominiert, mit Malz glaciert. Buchweizen-Koriander-Chips, Malz Biskuits und Gelee von Roter Beete und Essig sowie Koriander Ganache und Apfelsaft-Essig vereinen die Vielfalt der unterschiedlichsten Texturen und bilden eine Brücke zwischen Kräutern, Gemüse und Dessert.

Aufmerksam und detailliert werde ich durch den gesamten Abend geführt, mit hervorragender Weinbegleitung und kurzzeitiger, äußerst angenehmer Begleitung durch Julia Hamester selbst. Die Begeisterung und die mit großem Herzen vollführte Tatkräftigkeit spürt man überall in dem kleinen feinen Familienhotel, persönlich und offen für jegliche Fragen. So würde mich eine Auszeichnung des Michelin-Guides im Februar nicht wundern, sondern zu Recht erfreuen.

Nach dem seltenen Luxus des neun stündigen Durchschlafens und einem herrlichen Frühstück spaziere ich noch am Strand entlang und kann mir das bei sommerlichen Temperaturen im Standkorb sehr gut vorstellen. Wenn dann noch das zugehörige Milchhäuschen ab März geöffnet ist und im Oktober einige hochkarätige Köche zu Gast sind, komme ich bestimmt nicht nur dann einmal wieder.

www.strandhotel-fontana.de

 

Reizender Weise wurde ich zu meinem Aufenthalt eingeladen, meine Objektivität dadurch jedoch nicht beeinflusst.

Februar 6, 2019
Über mich
Hi, ich bin Franzi, und gehe leidenschaftlich gerne essen, überall auf der Welt, aber vor allem in Hamburg. Nicht nur das Geschmackliche muss mich begeistern, auch die Atmosphäre sollte stimmen, da ich am liebsten alles noch fotografisch festhalte. Hier findet Ihr meine liebsten Restaurants.
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Trendspotter
drip BAR
Kein Lichtschein dringt von der „drip BAR“ nach außen, so dass wir tatsächlich erst einmal vorbeilaufen, bis wir den Klingelknopf finden. Welch' überraschende Freude schenkt die dunkle Gemütlichkeit, Bilder an grün-bläulicher Wand, geblümte Sessel und einen kreisender Ventilator über unseren Köpfen. Auch der Erläuterung des spannenden Konzepts lausche ich gerne, obwohl einer von uns gerügt wird, weil er voreilig in die märchenhafte Getränkekarte schauen möchte. 8 Stunden bis 3 Tage tropft die jeweilige Spirituose, ähnlich der Cold Brew Methode, durch verschiedene Infusions, z.B. Pfefferminz, Grapefruit, Kardamom, so dass die Getränke ganz eigenwillige, fein abgestimmte Geschmacksnuancen bekommen. Köstlichst der Lavendel Ton bei namensgleichem Mule, bestehend aus Wodka durch Lavendel getropft, Ginger Beet, Teapot Bitter und Limette. Ungleich stärker, nichtsdestotrotz genauso fein der Saffron Martini mit Wodka durch Safran gedript, Vermouth, Haselnuss Liquor und zartem Haselnuss Rand am Glas. Eine entzückende kleine Bar, in die wir sicherlich öfter wiederkehren werden.
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