Back to home
Gaumenreise

Bless Island

Seitdem wir Kinder haben und zugegebener Maßen auch vorher, verreisen wir meist in bekannte Gefilde. Sylt, Berlin, Zürich oder Oslo, alles Städte, die wir fast so gut wie Hamburg kennen und endlich hatten wir das Gefühl, wir müssten mehr von der Welt sehen.

Angefangen mit 8 Tagen auf dem naturgewaltigen Island, trotz Hochsommer in Deutschland, dort bei 9° Celsius und Regen.

Nach 3 Stunden Direktflug mit Icelandair ging es mit dem Leihwagen zum Retreat Hotel der blauen Lagune. Seit April 2018 eröffnet, durften wir in der Moss Suite übernachten, mit atemberaubenden Blick auf Lavagestein und Moos, in verschiedenen Grüntönen. Ohne Kinder hätte man sogar die Möglichkeit, im Erdgeschoss einen eigenen privaten Bereich der blauen Lagune Tag und Nacht nutzen zu können.

Trotz touristischer Fülle waren wir Vier begeistert von der heiß brodelnden, hellblauen Lagune, langsam überall stehend, sich treiben lassen zu können.

Für mich kulinarisch Interessierte, aßen wir früh und trotzdem noch 5 Gänge im zugehörigen Moss Restaurant. Ceviche, Spargel, der allseits beliebte Kabeljau, ein Beef Gericht und der Honig Skyr Kuchen hinterließen uns begeistert. So auch das Frühstücksbuffet und der morgendliche Sprung in die blaue Lagune, so dass es nicht verwunderlich war, dass unser Herz dem traumhaften Hotel lange hinterher hing.

Weiter ging es in das kleine Reykjavik, in dem ich mich schnell sehr wohlfühlte. Die bekannte Hauptstraße Laugavegur ist trotz Bekanntheit nett zum Hochschlendern und bietet einige schöne Läden, Cafés und Restaurants. Das nächste Mal würde ich in dem Sandhotel in ebendieser Straße wohnen, nebenan zum köstlichen Frühstück ins Sandholt gehen und zum Shopping ins Hrim und in den Myconceptstore. Übrigens auch einen Spaziergang wert, ist das kürzlich eröffnete Studio von Ólafur Elíasson, Marshallhúsid.

Abends konnte ich alleine das kleine, mit einem Michelin-Stern prämierte Restaurant Dill besuchen. Unscheinbar versteckt von außen, ist es innen umso gemütlicher, persönlich und unaufgeregt, was für die meisten Isländer gilt. An der Bar sitzend mit dem besten Blick auf das Herrichten der Teller und sogleich wurde ich mit einem Rosé Champagner überrascht, mit lieben Grüßen von meinem Hamburger Lieblingskoch Fabio aus dem hæbel.

Vielen Dank nochmal, lieber Fabio!!! Ich habe mich riesig gefreut.

Wenn ich schon in dem einzigen Michelin-prämierten Restaurant in Reykjavik essen gehe, dann schon die kompletten 7-Gänge. Vorweg 7 kleinste köstliche Amuse Bouches bis zum Sellerie, dehydriert, dann wieder hydriert, Sea truffles und heute gepflückten frischen Kräutern, süß, fest und in sich weich. Dass optisch ansprechende Saucenbett wurde übrigens mit einem zufälligen Löffelschlag erhauen, was ich mehrfach beobachten konnte.

Der nächste Gang ließ mich wünschen, so immer Topinambur essen zu können, fermentiert, getrocknet und als Mus, hier mit dem isländischen Skyr und dem namentlich passenden süß-saurem Dillöl.

Obwohl ich eher selten Lamm esse, probierte ich gerne Rote Beete, Fenchel und geräuchertes Lamm und werde somit auf das Feinste an das häufig aus Island anzutreffende Lamm herangeführt. Kraut, Zwiebel und viel Butter führten weiter zu der Seezunge, Salat und Jus, kräftig und doch passend.

Beide Desserts wie Cookie und Thymian oder Rhabarber, Sahne und Erdbeeren waren sehr viel raffinierter als beschrieben und runden einen erfüllenden Abend hervorragend ab.

Schon alleine das Dill ist eine Reise nach Reykjavik wert.

Um sich der Einzigartigkeit der isländischen Natur bewusst zu werden, ist die Golden Circle Tour von Reykjavik aus sicherlich empfehlenswert, nicht unbedingt mit Kindern, die ungerne Autofahren. Wir spazierten also eher kurz um den Kerið, Kratersee, weiter zu einem winzigen natürlichen Hot Pot namens Hrunalaug, der trotz Einsamkeit Eintritt kostete, uns aber alle inmitten der Berge sehr erfreute.

Eine Fahrt zu dem Wasserfall Gullfoss muss nicht unbedingt sein, da man in einer Rundreise so oder so an einigen weniger besuchten Wasserfällen vorbeikommt bis hin zu dem Highlight der touristischen Sehenswürdigkeiten, den respekteinflößenden Geysiren, gerade da schliefen die Kinder leider. Etwas mulmig wird einem schon, wenn es ankündigend blubbert und plötzlich eine kochend heiße Fontäne aus der Erde schießt.

Sowieso dampft es ständig irgendwo aus der Landschaft heraus.

Unsere Zwischenstopps bis zum großen, niemals zu übertreffenden Finale im Norden, kann man getrost auslassen, waren wir doch viel zu viel im Auto, nur um ein weiteren Wasserfall oder ähnliches abzuhaken.

Unübertrefflich ist jedoch die Deplar Farm auf der Troll Peninsula im Norden und jede Quengelei der Kinder wert. 13 Zimmer in wunderschönen schwarzen Holzhäusern mit Grasdächern und in mitten von hohen Bergen, und in einem davon konnten wir zwei Nächte verbringen. Idyllischer geht es nicht, wenn man in den heißen Pool gleitet, tiefhängende Wolken die Landschaft umrahmen und ein leises Schafsmähen zu hören ist.

Von Anfang an wurde uns unser Experience Manager Gestur zugeteilt, der uns den ganzen Aufenthalt begleitete und jegliche Art der Unternehmungen flexibel organisierte. Wir ritten auf Islandpferden, beobachteten 5 Meter entfernt Buckelwale und streichelten einen Baby Fuchs, Baby Kaninchen und weitere entzückende Tiere.

Abends saßen wir an einem langen Tisch bei Kaminfeuer, zusammen mit den anderen Gästen, international, meist aus den USA und genossen ein Abendessen von Garðar Kári Garðarsson, dem isländischen Koch des Jahres 2018.

Eine einzigartige Welt für sich!

Juli 20, 2018
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über mich
Hi, ich bin Franzi, und gehe leidenschaftlich gerne essen, überall auf der Welt, aber vor allem in Hamburg. Nicht nur das Geschmackliche muss mich begeistern, auch die Atmosphäre sollte stimmen, da ich am liebsten alles noch fotografisch festhalte. Hier findet Ihr meine liebsten Restaurants.
À la Karte
À la Karte
Trendspotter
drip BAR
Kein Lichtschein dringt von der „drip BAR“ nach außen, so dass wir tatsächlich erst einmal vorbeilaufen, bis wir den Klingelknopf finden. Welch' überraschende Freude schenkt die dunkle Gemütlichkeit, Bilder an grün-bläulicher Wand, geblümte Sessel und einen kreisender Ventilator über unseren Köpfen. Auch der Erläuterung des spannenden Konzepts lausche ich gerne, obwohl einer von uns gerügt wird, weil er voreilig in die märchenhafte Getränkekarte schauen möchte. 8 Stunden bis 3 Tage tropft die jeweilige Spirituose, ähnlich der Cold Brew Methode, durch verschiedene Infusions, z.B. Pfefferminz, Grapefruit, Kardamom, so dass die Getränke ganz eigenwillige, fein abgestimmte Geschmacksnuancen bekommen. Köstlichst der Lavendel Ton bei namensgleichem Mule, bestehend aus Wodka durch Lavendel getropft, Ginger Beet, Teapot Bitter und Limette. Ungleich stärker, nichtsdestotrotz genauso fein der Saffron Martini mit Wodka durch Safran gedript, Vermouth, Haselnuss Liquor und zartem Haselnuss Rand am Glas. Eine entzückende kleine Bar, in die wir sicherlich öfter wiederkehren werden.
In der Presse
In der Presse
Mein letzter Restaurantbesuch
COOK UP culinary gallery
27. April 2018
Instagram
Folge mir auf Instagram

@tastehamburg